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Der Schiedsrichter als Konfliktschlichter

Im Fußballspiel, bei dem es um Sieger und Besiegte geht und bei dem der Kampf um den Ball zur Spielidee gehört, bleibt es nicht aus, dass es häufig zu Konflikten zwischen sämtlichen am Spiel beteiligten Personen kommt. Mal sind es die Spieler, die aggressiv aneinandergeraten, dann wieder zeigen sich die Aktiven mit den Entscheidungen des Schiedsrichters nicht einverstanden und nicht selten kommt es auch zur Entstehung von Konflikten, ausgehend von den Trainerbänken.

Immer wieder ist es die Aufgabe der Schiedsrichter, Entscheidungen für und auch gegen die Mannschaften zu treffen. Sie haben einzugreifen, wenn es zu Rudelbildungen kommt oder weil Spieler versuchen ein Foulspiel ihres Gegners vorzutäuschen. Gekonnt fallen sie in den Strafraum, um einen Strafstoß für ihr Team herauszuholen. Da bleibt es die Ausnahme, dass Spieler wie Aaron Hunt anschließend zugeben, dass sie ohne Einwirkung des Gegners gestürzt sind.

In solchen Situationen werden die Unparteiischen als neutrale Person auf dem Spielfeld zu Konfliktschlichtern. Sie müssen ihr Fachwissen, ihre Persönlichkeit und ihre Sozialkompetenz einbringen, um diesen Konflikten präventiv zu begegnen. Sie haben kommunikativ auf die Aggressoren einzuwirken, damit solche Situationen rechtzeitig deeskaliert werden. Nicht zuletzt sind es die Schiedsrichter, die als Ultima Ratio auch Strafen auszusprechen haben.

Reichlich Konfliktstoff bis in die Schlussphase

So denkt der Bundesligareferee Dr. Jochen Drees auch heute noch mit gemischten Gefühlen an den letzten Spieltag der Saison 2012/13 zurück. Er leitete das Spiel Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim. Bis zur 94. Minute musste er vor rund 85.000 Zuschauern im Stadion der Borussia zwei Strafstöße gegen die Gelb-Schwarzen geben. Dazu gab es einen Platzverweis wegen einer Notbremse gegen Roman Weidenfeller, den Torwart des BVB. Der Unparteiische hatte bis in die Schlussphase des Spiels reichlich Konfliktstoff, der von ihm als Unparteiischer zu klären war.

In der 94. Minute nahm er nach Rücksprache mit seinem Assistenten sogar noch ein zunächst gegebenes Tor für den Heimverein wieder zurück. Bei diesen Entscheidungen griff der Referee vor allem auf seine umfangreichen Erfahrungen als Spielleiter zurück. Die hatte er in Gesprächen mit anderen Schiedsrichtern, bei Lehrgängen und in seinen zahlreichen, zurückliegenden Spielen sammeln können.

Doch nicht nur im bezahlten Fußball kommt es zu solchen Konflikten. Nicht weniger Probleme haben die Unparteiischen an der Fußballbasis. Sie müssen oft ohne Assistenten ihre Spiele leiten. Ordnungsdienste oder Polizei sind häufig nicht vorhanden. Von den Vereinsoffiziellen bekommen sie zumeist nur wenig Unterstützung. Ihre Aus- und Weiterbildungen beschränken sich an den Lehrabenden in der Mehrzahl auf die Vermittlung der Spielregeln. Ein konstruktives Konfliktmanagement reduziert sich zumeist auf die Aussage: „Ihr müsst energisch auftreten und wenn nötig die Gelbe oder Rote Karte zeigen.“

Zu den Konfliktpotentialen im Profifußball wie bei den Amateuren gehören u.a.:

  • Aggressives Verhalten von Spielern vor Spielfortsetzungen in Tornähe (Bei Eckstoß, Freistoß am Strafraum)
  • Unpopuläre Entscheidungen in umstrittenen Situationen (Strafraumszenen, Torentscheidungen nach Handspiel, nach Abseits)
  • Rudelbildungen durch mehrere Spieler
  • Auseinandersetzungen mit den Trainerbänken
  • Vorgehen bei schweren Verletzungen von Spielern
  • Einflüsse durch Zuschauer

Nicht wenige dieser Konflikte lassen sich bereits durch präventive Maßnahmen des Schiedsrichters reduzieren beziehungsweise vermeiden. Schon vor dem Spiel, bei der Ankunft am Spielort, muss er sich als Persönlichkeit zeigen, die eine absolute Neutralität ausstrahlt. Begrüßt der Unparteiische den Trainer des Platzvereins, so ist es selbstverständlich, dass er auch auf die Offiziellen des Gastes zugeht und ihnen die Hand gibt. Selbst ein freundliches Wort an den Platzwart, der bei den Amateurvereinen seine Arbeit ehrenamtlich verrichtet, gehört dazu.

Stellen sich die Mannschaften dann zum Einlaufen an der Seitenlinie auf, so hat der Unparteiische keine Kommentare zum Spiel abzugeben. Die Begrüßung findet an der Mittellinie statt und mit lautem, deutlich hörbarem Pfiff beginnt das Spiel. Wichtig für die gesamte Spielleitung sind die ersten Minuten beider Halbzeiten. Jetzt setzt der Schiedsrichter die Zeichen für den weiteren Spielverlauf im Sinne der Spielregeln. Mit einem sicheren Auftreten, nah am Geschehen und mit klarer Ermahnung bei Foulspiel macht er allen am Spiel Beteiligten deutlich, wo bei ihm die Grenzen sind, welches Verhalten auf keinen Fall duldet und wann er zu den Persönlichen Strafen greifen wird.

Spieler-Leitfiguren mit einbinden

Solche Strategien zum taktischen Vorgehen eines Unparteiischen müssen vor allem jüngeren, noch unerfahrenen Schiedsrichtern auf den Lehrabenden vermittelt werden, denn mit dem präventiven Eingreifen beginnt bereits das Konfliktmanagement eines Referee. Im Spiel selbst kann der Schiedsrichter zahlreiche Konfliktsituationen durch eine stete Präsenz am Geschehen deeskalieren. Er muss erkennen, welche Spieler die Leitfiguren in den Mannschaften sind und diese in seine Kommunikation einbinden. Dazu gehört das freundliche Ansprechen von Spielern ebenso, wie die energische Zurechtweisung nach unsportlichem Verhalten, wenn zum Beispiel ein Spieler seinen Gegner provoziert.

Zu einer modernen Schiedsrichterausbildung gehört deshalb unbedingt auch die Arbeit zur Persönlichkeitsschulung. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Unparteiische weniger Probleme mit ihren Spielleitungen haben, wenn sie den Spielern sicher und mit der nötigen Konsequenz gegenüber treten, während der unsicher wirkende Schiedsrichter immer wieder von den Spielern kritisch hinterfragt wird. So erzielt ein Schiedsrichter, der fehlbare Spieler gezielt und mit bestimmter Ansprache in die Schranken weist, eine wesentlich bessere Außenwirkung als ein anderer, der seine Gelben Karten nur zögerlich zeigt.

Zur Weiterbildung im Bereich von persönlichkeitsfördernden Maßnahmen bieten sich u.a. folgende Inhalte an:

Übungen zum Konfliktmanagement:

  • Kurzreferate zur Rhetorik und zur Körpersprache mit Bild- und Videomaterial
  • Handlungsorientierte Schulung der Rhetorik
  • Rollenspiele zur Körpersprache
  • Fallanalysen in Gruppenarbeit mit anschließender Präsentation im Plenum
  • Analysen von Videoszenen

Haben die Schiedsrichter in den Kreisen, Bezirken und Verbänden an solchen Maßnahmen teilgenommen, dann ist ihnen bewusst, dass sie es sind, die bei aggressivem Vorgehen seitens der Trainerbänke und bei schweren Verletzungen von Spielern die Ruhe bewahren müssen, um wohlüberlegt die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Sie kennen die passenden Strategien, um bei Einflüssen durch Zuschauer die richtigen Personen der beteiligten Vereine anzusprechen und zusammen mit denen die notwendigen Maßnahmen bis hin zum Spielabbruch zu treffen. Im Spiel treffen sie konzentriert ihre Entscheidungen auf Strafstoß, Freistoß, Einwurf oder Abstoß und sie bleiben unbeeindruckt beim Zeigen der Gelben oder Roten Karte mit dem Ziel einer objektiven Spielleitung.