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Herrmann: "Der DFB-Stützpunkt war mein Sprungbrett"

Patrick Herrmann ist eines von gleich mehreren Talenten in der Bundesliga, die ihre Karriere im Saarland gestartet haben. Herrmanns Heimatklub ist der FC Uchtelfangen im Landkreis Neunkirchen. Nach drei Jahren am DFB-Stützpunkt Berschweiler gelang ihm über die Saarland-Auswahl der Sprung zum 1. FC Saarbrücken, ins Nationalteam und mit 17 Jahren zu Borussia Mönchengladbach. Über seine Anfänge, die Talentförderung und seine persönliche Entwicklung spricht er im Interview.

DFB.de: Einige Talente aus dem Saarland spielen derzeit in der Bundesliga. Einfache Frage: Warum ist das so?

Patrick Herrmann: Die Jugendarbeit im Saarland ist einfach richtig gut. Das fängt beiden Vereinen an und geht dann weiter an den DFB-Stützpunkten. So wird man schon in jungen Jahren sehr gut gefördert, und so werden gute Grundlagen gelegt.

DFB.de: Sie haben bei einem kleinen Verein, dem FC Uchtelfangen, gespielt. Was hat Ihnen das Training am Stützpunkt gebracht?

Herrmann: Viel. Das Training war immer montags. Es war sehr wichtig für mich, mit anderen guten Spielern aus der Region zusammen zu spielen, dort war ich einfach mehr gefordert. Die Trainingsinhalte waren auch ganz andere, es waren immer drei Trainer am Stützpunkt, so dass man viel mehr auf jeden einzelnen Spieler eingehen und zum Teil individuelles Training machen konnte. Es wurde auch gezielt daran gearbeitet, die Schwächen, die man hatte, zu beseitigen. Gerade im technischen Bereich haben wir sehr viel gemacht. Das war sehr wertvoll.

DFB.de: Wie ist dann der 1. FC Saarbrücken auf Sie aufmerksam geworden?

Herrmann: Der DFB-Stützpunkt war mein Sprungbrett. Über ihn bin ich in die Saarland-Auswahl gekommen. Dort habe ich dann ganz gute Leistungen gebracht, und so hat mich der 1. FC Saarbrücken entdeckt. Recht einfach also.

DFB.de: Von Uchtelfangen nach Saarbrücken – ein großer Schritt?

Herrmann: Auf jeden Fall. Saarbrücken hat damals noch in der 2. Bundesliga gespielt, und ich kam praktisch vom Land. Das ist natürlich eine Umstellung und etwas ganz Großes und Schönes.

DFB.de: Sie sind dann ziemlich schnell zu DFB-Lehrgängen geladen worden.

Herrmann: Ja, ich war schon in der U 15 dabei. Mein erstes Länderspiel habe ich dann in der U 16 gemacht. Am Anfang muss man sich kneifen, wenn man für Deutschland auf dem Platz stehen und das Trikot tragen darf. Das kann sich keiner vorstellen, wie das ist. Einfach nur überragend. Von da an war ich ziemlich oft dabei. Höhepunkt war dann natürlich meine Nominierung für die A-Nationalmannschaft, auch wenn es nicht für einen Einsatz gereicht hat.

DFB.de: Sie sind mit 17 Jahren zu Borussia Mönchengladbach gewechselt. Auf den ersten Blick erscheint das recht spät zu sein.

Herrmann: Das kann man sehen, wie man will. Ich war familiär gebunden, wohnte noch zu Hause und habe mir den Schritt vorher einfach noch nicht zugetraut. Außerdem wurde ich ja auch im Saarland gut gefördert. Mit dem FCS spielten wir damals in der B-Junioren-Bundesliga. Deshalb habe ich den Schritt zu der Zeit noch nicht für notwendig gehalten. Erst, als ich zu den A-Junioren kam, habe ich mich dann entschlossen, den Verein zu wechseln. Durch meine fußballerische Ausbildung vorher war ich sehr gut vorbereitet. Ich habe ein Jahr unter Sven Demandt bei den A-Junioren gespielt, dann ein halbes Jahr in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga, und dann wurde ich zu den Profis befördert. Im Januar 2010 habe ich gegen den VfL Bochum mein Bundesliga-Debüt gegeben. Das ging alles ziemlich schnell.

DFB.de: Wieso sind Sie denn eigentlich nach Mönchengladbach gegangen? Herrmann: Ich hatte seinerzeit mehrere Möglichkeiten und habe mir einige Internate in ganz Deutschland angeschaut. Für Borussia sprach die perfekte Infrastruktur mit dem neuen Stadion, aber auch die familiäre Atmosphäre mit dem Betreuer-Ehepaar Lintjens, das sich um die Jugendspieler kümmert. Außerdem habe ich mir gedacht, dass die Chance, eines Tages Profi zu werden, bei Borussia Mönchengladbach doch etwas größer ist als bei einem Klub, der in der Champions League spielt, so wie Bayern München. Auch von den Bayern hatte ich ein Angebot.

DFB.de: Dann haben Sie Ihrem Lieblingsverein also abgesagt?

Herrmann: Ganz, ganz früher war das mein Lieblingsverein. Mein Vater war Bayern-Fan, deshalb wurde ich als Kind halt auch darauf getrimmt. Aber später hatte ich eigentlich keinen Lieblingsverein mehr. Ich habe mir gerne und regelmäßig die Bundesliga-Spiele angeschaut, aber das war es auch.

DFB.de: Sie sind ins Gladbacher Internat gezogen, das sich im Borussia-Park befindet. Kann man von dort eigentlich in das Stadion schauen?

Herrmann: Nein, aber man muss nur zwei Treppen steigen, dann ist man drin. Für einen Jungen, der zum ersten Mal dahin kommt, ist das sehr beeindruckend. Alles ganz neu und so groß. Dann merkt man schnell, wie professionell alles hier ist. Die Borussia ist ein großer Verein, und in so einem Umfeld gab es außer Schule für mich im Grunde nur den Fußball. Das war auch gut so. Nebenbei habe ich noch mein Fachabitur gemacht, das war mir wichtig. Seitdem steht der Fußball allein im Mittelpunkt.

DFB.de: Ist es Ihnen schwer gefallen, von zu Hause wegzugehen?

Herrmann: In den ersten Wochen schon. Ich weiß noch, dass ich, als meine Mutter mich hierher gebracht hat und dann wieder gefahren ist, geheult habe wie ein Schlosshund. Für jeden 17-Jährigen ist es am Anfang nicht einfach, so weit weg von der Heimat zu sein. Aber ich habe nur an mein Ziel gedacht, Profi zu werden. Für meine Entwicklung war es der richtige Schritt, das wusste ich, auch wenn es in der ersten Zeit nicht immer einfach war.

DFB.de: Zwischen Ihrem Wechsel an den Niederrhein und ihrem Debüt in der Bundesliga lagen nur rund eineinhalb Jahre. Waren Sie selbst überrascht, wie schnell das ging?

Herrmann: Eigentlich schon. Ich hatte gedacht, ich würde mindestens zwei Jahre brauchen, um überhaupt zu den Profis zu kommen und dann noch mal ein halbes Jahr, bis man sich so langsam an den Seniorenfußball gewöhnt hat. Denn die Umstellung ist sehr groß. Man spielt gegen teilweise zehn Jahre ältere Spieler, die sehr erfahren sind und denen man nicht mehr viel vormachen kann. Alles geht viel schneller. Mir hat das halbe Jahr in der zweiten Mannschaft schon sehr geholfen, mich an das Spiel zu gewöhnen. Das ist mir zum Glück gut gelungen, und seit meinem Debüt bin ich bei den Profis dabei. Die Entwicklung war schon rasant. Am Anfang bei den A-Junioren war ich froh, dabei sein zu dürfen, habe unheimlich viel gelernt. Leider sind wir damals nicht Deutscher Meister geworden. Diese verpasste Chance war für mich ein Ansporn, weiter zu arbeiten und alles zu tun, um erfolgreich zu sein.

DFB.de: Wenn ein Junge aus Ihrer Heimat auf Sie zukommt und Sie fragt: „Patrick, ich möchte so werden wie du und Profi werden.“ Was würden Sie dem sagen?

Herrmann: Ich würde sagen: „Du musst auf viel verzichten und hart an dir arbeiten.“ AmWochenende mit Freunden wegzugehen, ist einfach nicht drin, wenn man samstagstrainiert und sonntags ein Spiel hat. Das muss man in Kauf nehmen, wenn man Profiwerden will. Und man muss in jedem Training genauso alles geben wie im Spiel, um sich weiterzuentwickeln.

DFB.de: Zum Abschluss: Ihr Zwillingsbruder Pascal spielt dort, wo Sie Ihre Karriere begannen, beim FC Uchtelfangen in der Bezirksliga Neunkirchen. Waren Sie damals beim Bolzen im heimischen Garten schon der Bessere?

Herrmann: (lacht) Nicht unbedingt, er hatte auch gute Anlagen, aber ich war ganz einfach ehrgeiziger als er. Er war auch mal in Berschweiler am DFB-Stützpunkt, aber er hatte nicht das unbedingte Ziel, Profi zu werden. Deshalb ist er in Uchtelfangen geblieben.