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FC Augsburg: Kompakt verteidigen, schnell umschalten – "Transformation" zum Ballbesitzteam?

Die Lockdown-Phase ohne Mannschaftstraining gibt Trainern die Chance, sich mit den Spielphilosophien der Profi-Mannschaften, die noch im Wettkampf stehen, zu befassen. Heute werfen wir einen Blick auf das Umschaltverhalten des FC Augsburg und die Pläne von Heiko Herrlich, sein Team "in allen Spielphasen besser zu machen".

Zehn Jahre Bundesliga – der FCA will sich weiterentwickeln

So wie andere Mannschaften den zehnten europäischen Titel der Vereinsgeschichte feiern, freute sich der FCA im Sommer über das zehnte Bundesliga-Jahr in Folge. Dass das Motto "La Decima" nicht im ganzen Umfeld gut ankam, ist der Tatsache geschuldet, dass die Ansprüche scheinbar gestiegen sind. Der Großteil des Vereins, inklusive der sportlichen Leitung, ist aber sicher immer noch hochzufrieden wenn "nur" die Klasse gehalten werden kann. Zehn Jahre Bundesliga sind ein Riesenerfolg für einen Verein, der 2006 noch in der – damals drittklassigen – Regionalliga Süd angetreten ist. Mit Heiko Herrlich hat inzwischen ein Trainer das Sagen, der dafür bekannt ist, mentalitätsstarke und gut organisierte Mannschaften ins Rennen zu schicken.

Neue Ziele mit "neuen Veteranen", Eigengewächsen und Altgedienten

Die vielen Gegentore der letzten Saison (63) sollen der Vergangenheit angehören: Als Ziel wurden längere Ballbesitzphasen abseits der gefährlichen Zonen ausgegeben. Dafür hat sich Heiko Herrlich einige Bundesliga-Veteranen ins Team geholt (Caligiuri, Strobl, Gikiewicz), die zusätzlich zu Florian Niederlechner, der im vergangenen Jahr dazu gestoßen ist, ordentlich Erfahrung mitbringen.

Der Grundstock der Mannschaft steht schon seit einigen Spielzeiten – Jeffrey Gouweleeuw, Rani Khedira, Michael Gregoritsch, André Hahn, Alfred Finnbogason – und hat bewiesen, dass auch das obere Tabellenmittelfeld im Bereich des Möglichen sein kann. Mit Raphael Framberger und Marco Richter konnten sich zudem zwei Spieler aus dem eigenen Nachwuchs in den letzten Spielzeiten immer mehr Spielanteile erkämpfen, auch wenn Letzterer zuletzt vermehrt nur noch in der Joker-Rolle glänzen durfte. Außerdem ist Ruben Vargas auf der offensiven Außenbahn so gut wie gesetzt.

Die Stärke bleibt das Umschalten!

Das übergeordnete Ziel des FCA in dieser Saison spiegelt sich in folgendem Zitat des Cheftrainers sehr gut wider:

"Ich habe die Überzeugung, dass man sich in allen vier Spielphasen, gegen den Ball, mit dem Ball und in den Umschaltphasen, verbessern muss. Nur auf Standards oder auf Umschaltphasen zu hoffen, macht es auf Dauer schwer!"

Tatsächlich sind die bisherigen Erfolge – Tabellenplatz 11 mit 16 Punkten aus 13 Spielen, dabei zu Saisonbeginn zwei Siege bei Union Berlin und gegen den BVB – vor allem auf ein gutes Umschaltspiel zurückzuführen. Acht eigene Treffer in der Schlussviertelstunde sprechen außerdem für eine mental und athletisch topfitte Mannschaft. In Sachen Ballbesitzspiel sind Erfolge im Ansatz zu erkennen, der Prozess scheint aber angeschoben. Gegen tiefer stehende Gegner tut sich die Mannschaft aber teilweise noch schwer, Lösungen zu finden. Die Stärken im Umschaltspiel, die die Augsburger Mannschaft zweifelsohne – auch aufgrund ihrer Spielertypen – hat, stellen wir in einem kleinen Überblick vor.

Das Umschalten vorbereiten

Wurde bei Heiko Herrlichs Vorgängern teilweise relativ hoch verteidigt, wird inzwischen bei gegnerischem Ballbesitz vorwiegend in einem klassischen 4-4-2-Mittelfeldpressing agiert, wobei die Anlaufhöhe je nach Gegner variiert. Die "Experimente" Angriffspressing – wie beispielsweise gegen Bielefeld – waren bisher nicht ganz so vielversprechend. Bei Gegnern "auf Augenhöhe", einem Rückstand und wenig verbleibender Spielzeit wird dieses Taktikmittel aber durchaus auch verwendet.

Die Mittelfeldpressing-Struktur kommt mit einigen wenigen Pressingauslösern und einer einfachen aber effektiven Aufteilung aus. Grundvoraussetzung hierfür ist die vorher angesprochene Mentalität und der Wille, das eigene Tor zu verteidigen – Eigenschaften, die Heiko Herrlich selbst einfordert. Die Augsburger lassen teilweise sogar Dribblings der gegnerischen Innenverteidiger in die eigene Hälfte zu: Einer der beiden Stürmer lenkt den jeweiligen Ballbesitzer dann nach außen, um so entweder einen langen Ball zu erzwingen oder den einzig möglichen Pass nach außen zu forcieren.

Dort wird dann "zugepackt"! Die Außenlinie limitiert dabei den Ballbesitzer und führt häufig zu Abspiel- oder Dribbelfehlern. Die höchste Priorität im Pressingverhalten ist und bleibt die Balleroberung. Zwischen den beiden Ketten in der FCA-Mitte ist relativ wenig Raum, sodass eine Spielfortsetzung für den Gegner hier sehr riskant ist. Gelingt der Pass ins Zentrum trotzdem, sind genügend Spieler in Ballnähe, um den Ballbesitzer in eine Zweikampfsituation zu verwickeln. Durch eine kompakte Ordnung versucht der FCA so, Umschaltmomente vorzubereiten.

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Hertha BSC befindet sich im Spielaufbau, Augsburg steht in der Ordnung.

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Nachdem der Berliner Innenverteidiger etwas andribbelt, läuft der Augsburger Stürmer ihn an. Der Innenverteidiger entscheidet sich für eine Spielfortsetzung durch die Mitte. Das Zuspiel auf außen ist durch Caligiuri zugestellt. Der Außenverteidiger und der Sechser von Augsburg ordnen sich sofort dem Passempfänger zu und setzen ihn unter Druck.

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Caligiuri unterstützt, es entsteht eine 3-gegen-1-Situation. Die Wahrscheinlichkeit eines Ballgewinns ist sehr hoch!

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Hahn unterstützt von vorne, der Berliner Stürmer kann lediglich mit etwas Glück zurück in die eigene Hälfte spielen. Dabei wäre die Balleroberung fast bereits gelungen: Strobl hatte im Verbund mit zwei Mitspielern den Ball bereits am Fuß. Ein Rückspiel des Gegners in dessen eigene Hälfte ist zumindest ein Teilerfolg: Der Ball ist nun wieder sehr weit vom eigenen Tor entfernt, und Augsburg kann sich neu sortieren.

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Die Aktion geht weiter: Hertha schafft es, die Seite zu wechseln. Hier droht allerdings das gleiche Spiel: Augsburg befindet sich bereits wieder in der 4-4-2-Ordnung. Der rechte Berliner Innenverteidiger entscheidet sich deswegen mangels Optionen für einen langen Ball.

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Die Augsburger Viererkette ist gut organisiert. Uduokhai kann den langen Ball per Kopf abfangen und in Richtung Gruezo weiterleiten.

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Gruezo wird zwar in einen Zweikampf verwickelt, kann sich aber durchsetzen und so den Umschaltmoment einleiten.

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Das halbhohe Zuspiel erreicht Gregoritsch, der einen Konter in Richtung Berliner Tor startet. Diese beiden direkt aufeinander folgenden Szenen (Rückpass erzwingen, Balleroberung gelungen) zeigen deutlich, dass ein Umschaltmoment durch ein geeignetes Pressing- und Anlaufverhalten gut vorbereitet werden kann. Gregoritsch kommt in der Folge vielversprechend zum Abschluss.

Nach Ballgewinn variabel nach vorne!

Nach einer erfolgreichen Balleroberung schaltet die Augsburger Mannschaft im Verbund geschickt und schnell um. Abhängig davon, in welcher Spielfeldebene der Ball erobert wurde, setzt die Mannschaft das Spiel variabel fort. Dabei wird möglichst versucht, den ersten Ball in die Tiefe zu spielen. Florian Niederlechner oder Michael Gregoritsch sind hier gute Anspielstationen und finden zumeist kreative Lösungen zur Spielfortsetzung. Alle anderen Spieler rücken schnellstmöglich nach und versuchen, den Umschaltmoment und die Unordnung des Gegners auszunutzen.

Als weitere Möglichkeit – unter anderem bei einer eher "tieferen" Balleroberung in der eigenen Hälfte – wird das Spiel über die dynamischen Spieler auf den Außenpositionen fortgesetzt. Mit Framberger und Iago sowie Vargas, Caligiuri, Richter oder Hahn ist dort ordentlich Schnelligkeit und Durchsetzungsvermögen vorhanden. In diesen Situationen landet der Ball überdurchschnittlich oft über eine Flanke im (kopfballstarken) Zentrum.

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Ausgangspunkt ist in diesem Fall ein fehlgeschlagener Seitenwechsel von Omar Mascarell. Caligiuri kann den Ball abfangen. Mit diesem Moment schaltet Augsburg von der Defensive auf Offensive um.

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Caligiuri verarbeitet den Ball und spielt Framberger in den Lauf.

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Framberger dribbelt mit vollem Tempo in Richtung Gegner-Tor. Vargas, Niederlechner und Strobl laufen in den Strafraum ein.

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Framberger ist jetzt auf Höhe des Fünfmeter-Raums und hat mehrere Optionen (Vargas am kurzen Pfosten, Niederlechner im Zentrum, Strobl im Rückraum). Aus dieser Szene entsteht zwar kein Tor, aber von der Balleroberung in der eigenen Hälfte bis zu Frambergers finalem Zuspiel sind nur etwa 10 Sekunden vergangen.

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Ausgangspunkt dieser Szene ist ein gewonnener Zweikampf im Mittelfeld gegen Unions Cedric Teuchert.

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Khedira spielt nach gewonnenem Zweikampf direkt tief auf Gregoritsch. Die Umschaltphase startet.

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Gregoritsch dreht auf und verlagert auf die linke Seite zu Vargas.

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Vargas’ Annahme ist zwar suboptimal, doch Iago übernimmt den Ball. Die übrigen Spieler orientieren sich in Richtung Zentrum.

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Gregoritsch und Finnbogason haben sich inzwischen im Strafraum postiert. Gregoritsch, der den Angriff mit eingeleitet hat, kann schließlich per Kopf verwerten. Torerfolg nur 13 Sekunden nach der Balleroberung!

Unter "Themenverwandte Links" haben wir weitere Taktikanalysen (Borussia Mönchengladbach, RB Leipzig, Greuther Fürth, VfB Stuttgart) aus den vergangenen Wochen angehängt.

Autor: André Niebler / Philippka