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Der Schiedsrichter kommt nicht – was nun?

Weil der Schiedsrichter nicht kam, stellte sich Sven Hehl, Trainer des Münsterländer B-Kreisligisten DJK Blau-Weiß Greven, als Unparteiischer zur Verfügung. Bei einem Pflichtspiel der eigenen Mannschaft! Hier sein Erfahrungsbericht.

Wir haben uns schon gewundert, dass beim Warmmachen kein Schiedsrichter kam und uns nach unserer Trikotfarbe gefragt und noch einmal darauf hingewiesen hat, die Aufstellung im DFB-net freizugeben. Trotzdem saßen meine Spieler zehn Minuten vor Spielbeginn ganz brav in der Kabine – für die 'Passkontrolle'. Doch spätestens jetzt wurde klar: Der Schiedsrichter ist gar nicht da!

"Die Spieler wollten spielen!"

Und nun? Was tun? Die Heimmannschaft wollte spielen und die Mehrheit meiner Spieler ebenfalls. Und um das gleich mal klarzustellen: Es gibt sogar Spielklassen, da müssen sich beide Mannschaften auf einen Schiedsrichter einigen, da ansonsten eine Spielwertung zu Ungunsten beider Vereine droht. Doch in unserem Falle hätten wir wohl einfach fahren und das Spiel neu ansetzen lassen können.

Soll ich trotzdem pfeifen? Als Trainer der Gastmannschaft gingen mir schon verschiedene Gedanken durch den Kopf: Wie wahrscheinlich ist es, dass es Ärger gibt? Die Heimmannschaft schien vernünftig, wir sind es auch. Von daher: Warum nicht? Doch wie gehen meine Spieler damit um, dass ihr Trainer nicht an der Seitenlinie steht? Auf den ersten Blick ist das zwar zunächst einmal kein Problem. Die Einflussmöglichkeiten des Trainers vom Spielfeldrand sind ohnehin begrenzt. Aber ganz tief im Unterbewusstsein besteht bei dem einen oder anderen Spieler doch die Gefahr, dass er in einen "Heute reichen auch 90 Prozent"-Modus verfällt. Und ganz ehrlich: Strahle ich diese Haltung nicht auch aus, wenn ich mich plötzlich bereiterkläre, auch noch als Schiedsrichter zu agieren?

Das Verhalten des Teams in außergewöhnlichen Situationen beobachten

Doch dann kam eine Überlegung des 'Trainers in mir' – ganz weg vom reinen Leistungs- und Ergebnisgedanken eines Meisterschaftsspiels hin zum Ausbildungsauftrag: Ich pfeife! Und zwar genau, weil ich sehen möchte, wie meine Spieler mit dieser Situation umgehen! Wer gibt trotzdem 100 Prozent? Wer ist dennoch hochmotiviert und -konzentriert? Und bei wem hält vielleicht wirklich wie befürchtet 'Bruder Leichtfuß' Einzug? Ich wollte, dass meine Mannschaft diese 'widrige' Situation als Team bewältigt – und aus der Beobachtung dessen meine Schlüsse ziehen! Und sollte dieses Unterfangen gelingen, da war ich mir sicher, wäre dieser Erfolg auch ein 'Booster' für das Selbstbewusstsein.

Die Entscheidung stand also. Auf dem Weg zum Platz scherzte der Gegner noch: "Heute spielen wir ohne Gelbe und Rote Karten!" Alles gut, soweit! Ich fühlte mich in meiner Entscheidung bekräftigt. Für mich stand fest: Für 90 Minuten plus Nachspielzeit würde ich meine Parteilichkeit, die ich als Trainer von Amts wegen habe, konsequent ruhen lassen. In meinem Kopf hatte ich mir eine 'klare Linie' vorgenommen: Ich wollte die Situationen bei beiden Teams absolut gleich bewerten und die Spieler beider Mannschaft absolut gleich behandeln.

'Gelb' für den Gegner fordern, ist ein No-go!

Meine Absicht war klar – auch den Gegner davon zu überzeugen allerdings nicht ganz so einfach. Denn obwohl wir uns vor dem Spiel absolut einig waren, dass ich das Spiel leiten würde, stand ab der ersten Minute jede Entscheidung unter ganz besonderer Beobachtung – so war zumindest mein Gefühl. "Das war doch Foul!" oder "Aus!" Es wurde reklamiert, was das Zeug hält – auf beiden Seiten.

Soweit, so gut. "Da kann ich drüber stehen", dachte ich mir, wenngleich mir als Trainer an der Seitenlinie bisher die Vielzahl an Kommentaren im Spiel seitens der Spieler gar nicht so aufgefallen war. Wo mir allerdings schon die Hutschnur hochging, war, dass Spieler beider Teams nicht nur Freistoß für sich sondern ständig auch 'Gelb' für den Gegner forderten. "Wenn das so weitergeht, wird das nix mit einem Spiel ohne Gelbe Karten", dachte ich mir. "Aber für die, die fordern!"

Darf der Schiedsrichter nur pfeifen, was er auch wirklich hundertprozentig sieht?

Insgesamt war das Spiel aber relativ fair. Und so möchte ich die beiden strittigen Situationen auch nicht verschweigen – hüben wie drüben. So sehr ich mich bemühte, sportlich einigermaßen fit immer wieder die Diagonale zu laufen, um Abseitssituationen bestmöglich bewerten zu können – über 90 Minuten und in jedem Moment, vor allem in Kontersituationen, geht das kaum! Und trotzdem pfiff ich zweimal ab – wegen der 'allerhöchsten Wahrscheinlichkeit von Abseitsstellungen'. Diese wurden im Nachhinein von den direkt Beteiligten im Übrigen beide bestätigt. Und meinem Team hatte ich dabei sogar das vorentscheidende 2:0 weggepfiffen. Trotzdem bekam ich 'Lack' vom Gegner: "Das kannst du von da überhaupt nicht sehen", sagte der Spielertrainer, der übrigens selbst hinter mir und noch zehn Meter weiter entfernt stand. Ich könne nur pfeifen, was ich auch wirklich hundertprozentig sehe.

Das denke ich nicht. "Dann müssen wir in den unteren Klassen ohne Linienrichter aber komplett ohne Abseits spielen", erwiderte ich ein wenig trotzig. Dabei dachte ich an die vielen Situationen, in denen die offiziell Unparteiischen von ähnlichen Positionen aus ebenfalls ihre Entscheidungen trafen. Beim nächsten Mal werde ich mir als Trainer wahrscheinlich etwas mehr Verständnis abringen – zumindest, wenn der Schiedsrichter auf beiden Seiten gleich pfeift.

Der Trainer als Schiedsrichter? Das Fazit:

Dieser Linie bin auch ich treu geblieben, sodass ich mit meinem Ausflug in das Metier des Schiedsrichters durchaus einverstanden war. Für meine Mannschaft ist ein verdienter, wenngleich hart erarbeiteter 1:0-Auswärtserfolg herausgesprungen. Knapper als gedacht! Die erhofften Erkenntnisse über meine Spieler bekam ich umso mehr. Und trotz nicht optimaler Bedingungen 'zu null' zu spielen und drei Punkte mitzunehmen, hat sich als durchaus möglich erwiesen. Das dürfte jeder Spieler als Erfahrung aus diesem Spiel mitgenommen haben. Erfahrung, die bereits im nächsten Spiel Bedeutung erlangen kann. Schon allein deshalb hatte sich meine Entscheidung, das Spiel als Schiedsrichter zu leiten, gelohnt. Beim nächsten Mal darf aber gerne wieder der offizielle ran!