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Amateurstatistiken

DFB-Spitze an der schwäbischen Basis

Alles beginnt mit 168 Seiten. Gebunden im DIN A4-Format. Vierfarbig, gespickt mit Daten, Fakten und Zahlen - dazu bunte Geschichten, die der Fußball Tag für Tag, Woche für Woche schreibt: das Jahres-Journal des Fußball-Bezirks Schwaben. Die Fußball-Fibel ist gefragt, eine überaus beliebte Lektüre in den Vereinsheimen Schwabens. Und ein Exemplar hat im Sommer auch die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main erreicht, genauer gesagt den Schreibtisch von Präsident Reinhard Grindel.

Grindel hat das Journal nicht einfach zur Seite gelegt, sondern darin geblättert und am Ende einen Brief geschickt. Adressiert an Johann Wagner, den Bezirksvorsitzenden in Schwaben. Er hat spontan angeboten, einmal nach Schwaben zu kommen, um zu diskutieren. Über das, was an der Basis bewegt, welche Themen die Amateurfußballer diskutieren, um Punkte zu sammeln und um sie anzugehen. "Durchschnittlich einmal im Monat", sagt Grindel, besucht er die Basis: "Um zu erkennen, welche Probleme die meisten Vereine treffen und welche auch nur vereinzelt lokal auftreten." 

Austausch mit dem Bezirksausschuss

Jetzt ist er gekommen, zusammen mit DFB-Vizepräsident Rainer Koch, dem Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), besucht er zunächst Augsburg. Diskutiert mit dem dortigen Bezirksausschuss auch über den Einsatz von Konfliktmanagern an Brennpunkten, die Gewinnung von Ehrenamtlichen oder das E-Learning bei der Trainer-Ausbildung. Es wird diskutiert, mit Leidenschaft, mit gegenseitigem Verständnis - immer im Fokus die Frage: Wie lassen sich die Herausforderungen der Zukunft meistern? Gemeinsam geht es auf die Suche nach Antworten.

Im Inneren des BFV-Zirkels bleiben Grindel und Koch freilich nicht. Der Weg zur Basis führt die Bergstraße hinauf bis ans Ende. Dorthin, wo das Flutlicht strahlt, sich Kreisligist SSV Margertshausen nach dem 0:1 vom Wochenende bei der SpVgg Westheim wieder aufrichtet und schon wieder auf das anstehende Heimspiel gegen den TSV Leitershofen vorbereitet. "Wir sind aufgestiegen", erzählt Vereinsvorsitzender Anton Schmid im voll besetzten Vereinsheim über die Lage beim Tabellenzwölften, "wir tun uns schwer, kämpfen aber bis zum letzten Spieltag".

750 Einwohner, 600 Mitglieder

Hier schlägt das Herz des Amateurfußballs, hier ist die Leidenschaft förmlich zu spüren. Ein Dutzend Helfer des SSV stehen heute hinter der Theke und sorgen dafür, dass die rund 100 Vereinsvertreter aus ganz Schwaben bewirtet werden. In Margertshausen, einem Ortsteil von Gessertshausen mit 750 Einwohnern, scheint die Welt noch in Ordnung, 600 Mitglieder zählt der 1924 gegründete SSV. "Das klingt super, aber auch bei uns waren es schon einmal mehr", sagt Schmid, der mit seinem Team die Herausforderungen angeht und nicht verdrießlich ins landauf-, landab gerne bemühte Klagelied mit einstimmt. Das Vereinsheim beim SSV ist mittlerweile eine eigene GbR, die Einnahmen fließen in den Vereinsbetrieb. Schmid betont auch gleich, "dass bei uns kein Spieler auch nur einen Cent bekommt. Unsere Aufgabe der Zukunft wird es sein, unseren Mitgliedern Angebote zu machen".

Hier also, ganz am Ende der Bergstraße, sind rund 100 Vereinsvertreter und Ehrenamtliche zusammen gekommen, um mit Grindel und Koch die Zeichen der Zeit, die auch vor dem Amateurfußball nicht Halt machen, zu diskutieren. Gemeinsam. Es gibt viele Punkte, die angesprochen werden. Überbordende Bürokratie zum einen oder der Gesetztes-Dschungel in Sachen Steuerrecht zum anderen. Beim SV Bergheim etwa interessiert das Thema E-Sports, ein anderer sieht einen Ansatz darin, das Traineramt attraktiver zu machen, "wenn es Zuschüsse für die Trainer gibt. Unkompliziert und unbürokratisch". Vieles dreht sich um die Attraktivität des Ehrenamts, um Mitgliedergewinnung und die Finanzierung des Betriebs.

Nach dem Spiel an die Konsole

"Vereine in den jetzigen Strukturen haben auf lange Sicht keine echte Zukunft. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, sonst haben wir bald nur noch offene Jugendarbeit, die ungemein teuer ist. Das müssen unsere Bürgermeister und Landräte wissen. Auf Dauer werden gemeinnützige Vereine das nicht schultern können", sagt Koch, der weiß, "dass die Digitalisierung uns alle vor Herausforderungen stellt. Dieser Tatsache dürfen wir uns nicht verschließen, sondern müssen sie nutzen. Für uns, für den Fußball, für ein attraktives Vereinsleben. Dazu gehört übrigens auch E-Sports. Wir müssen dieses Zusatzangebot annehmen und dürfen das Feld nicht kommerziellen Anbietern überlassen. Wir müssen aufklärend arbeiten, wir als Fußballer können das." Und Grindel ergänzt, "dass wir heutzutage dahin kommen, dass im Vereinsheim nach dem Spiel eben auch an der Konsole gespielt wird. Früher war das Skat, hier in Bayern sicherlich Schafkopf."

Die Unterstützung der im Verein ehrenamtlichen Menschen bewegt die Zuhörer an diesem Abend, das kommt bei Grindel schnell an und das hört er nicht zum ersten Mal: "Es wird immer wichtiger, Vereinsberater zu haben, die als Koordinator für die Vereine fungieren. An sie müssen sich die Vereine wenden können, um sich Unterstützung holen zu können. An diesen Schnittstellen mit hauptamtlichen Kräften werden wir über kurz oder lang nicht herumkommen."

"EM 2024 wird uns eine enorme Blutzufuhr bescheren"

Menschen zu finden, die im Verein mit anpacken, dort Sport treiben, das ist der Grundtenor an diesem Abend beim SSV Margertshausen, wird immer schwieriger. "Mit demografischem Wandel alleine", sagt Rainer Koch, "lässt sich das alleine nicht mehr belegen. Zumindest in einigen Teilen Bayerns nicht. Mit dieser Wahrheit müssen wir uns bis ins letzte Detail auseinandersetzen. Das wird schmerzhaft, sicherlich, aber wir werden es machen. Wir müssen uns öffnen, die Finanzierungsfrage muss die Politik beantworten, aber auch wir müssen attraktiver werden, zeitgemäßer. Mit den Rezepten von gestern werden wir den Fußball von morgen im Rahmen des gesellschaftlichen Wandels nicht gestalten."

Ein Spiel dauert 90 Minuten. Beim SSV Margertshausen ist nach anderthalb Stunden noch nicht Schluss - auf dem Trainingsplatz nebenan sind die Flutlichter zwar erloschen, mit Grindel und Koch geht es aber in die Verlängerung. Es wird offen und miteinander gesprochen, Transparenz und Ehrlichkeit sind die Zutaten, die alle gleichsam auf Augenhöhe auftauchen lassen. "Wir dürfen beim Beklagen des Ist-Zustandes nicht stehen bleiben, sondern müssen die Chancen begreifen", sagt Grindel. " Andere Sportarten wäre froh, in unserer Lage zu sein. Ich bin mir sicher, dass uns beispielsweise die Europameisterschaft 2024 bei uns in Deutschland eine enorme Blutzufuhr bescheren wird."

Nach nach 90 Minuten, Verlängerung und auch noch einem Elfmeterschießen endet der Dialog auf Augenhöhe dann offiziell. Aber die wenigsten gehen gleich nach Hause, viele tauschen sich noch angeregt untereinander aus, andere gehen auf Koch und Grindel zu, setzen die Gespräche unter vier und sechs Augen fort, es gibt auch Selfie-Wünsche. Wohl der beste Beweis dafür, dass es mit der oftmals leichtfertig aufgetischten Mähr von der Diskrepanz zwischen Basis und Spitze weit her ist. Dort oben, am Ende der Bergstraße in dem Kirchdorf im Landkreis Augsburg, wo das Herz des Amateurfußballs schlägt und die Leidenschaft zu spüren ist, hat die Basis einen anderen Eindruck gewonnen.

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Alles beginnt mit 168 Seiten. Gebunden im DIN A4-Format. Vierfarbig, gespickt mit Daten, Fakten und Zahlen - dazu bunte Geschichten, die der Fußball Tag für Tag, Woche für Woche schreibt: das Jahres-Journal des Fußball-Bezirks Schwaben. Die Fußball-Fibel ist gefragt, eine überaus beliebte Lektüre in den Vereinsheimen Schwabens. Und ein Exemplar hat im Sommer auch die Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt am Main erreicht, genauer gesagt den Schreibtisch von Präsident Reinhard Grindel.

Grindel hat das Journal nicht einfach zur Seite gelegt, sondern darin geblättert und am Ende einen Brief geschickt. Adressiert an Johann Wagner, den Bezirksvorsitzenden in Schwaben. Er hat spontan angeboten, einmal nach Schwaben zu kommen, um zu diskutieren. Über das, was an der Basis bewegt, welche Themen die Amateurfußballer diskutieren, um Punkte zu sammeln und um sie anzugehen. "Durchschnittlich einmal im Monat", sagt Grindel, besucht er die Basis: "Um zu erkennen, welche Probleme die meisten Vereine treffen und welche auch nur vereinzelt lokal auftreten." 

Austausch mit dem Bezirksausschuss

Jetzt ist er gekommen, zusammen mit DFB-Vizepräsident Rainer Koch, dem Präsidenten des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV), besucht er zunächst Augsburg. Diskutiert mit dem dortigen Bezirksausschuss auch über den Einsatz von Konfliktmanagern an Brennpunkten, die Gewinnung von Ehrenamtlichen oder das E-Learning bei der Trainer-Ausbildung. Es wird diskutiert, mit Leidenschaft, mit gegenseitigem Verständnis - immer im Fokus die Frage: Wie lassen sich die Herausforderungen der Zukunft meistern? Gemeinsam geht es auf die Suche nach Antworten.

Im Inneren des BFV-Zirkels bleiben Grindel und Koch freilich nicht. Der Weg zur Basis führt die Bergstraße hinauf bis ans Ende. Dorthin, wo das Flutlicht strahlt, sich Kreisligist SSV Margertshausen nach dem 0:1 vom Wochenende bei der SpVgg Westheim wieder aufrichtet und schon wieder auf das anstehende Heimspiel gegen den TSV Leitershofen vorbereitet. "Wir sind aufgestiegen", erzählt Vereinsvorsitzender Anton Schmid im voll besetzten Vereinsheim über die Lage beim Tabellenzwölften, "wir tun uns schwer, kämpfen aber bis zum letzten Spieltag".

750 Einwohner, 600 Mitglieder

Hier schlägt das Herz des Amateurfußballs, hier ist die Leidenschaft förmlich zu spüren. Ein Dutzend Helfer des SSV stehen heute hinter der Theke und sorgen dafür, dass die rund 100 Vereinsvertreter aus ganz Schwaben bewirtet werden. In Margertshausen, einem Ortsteil von Gessertshausen mit 750 Einwohnern, scheint die Welt noch in Ordnung, 600 Mitglieder zählt der 1924 gegründete SSV. "Das klingt super, aber auch bei uns waren es schon einmal mehr", sagt Schmid, der mit seinem Team die Herausforderungen angeht und nicht verdrießlich ins landauf-, landab gerne bemühte Klagelied mit einstimmt. Das Vereinsheim beim SSV ist mittlerweile eine eigene GbR, die Einnahmen fließen in den Vereinsbetrieb. Schmid betont auch gleich, "dass bei uns kein Spieler auch nur einen Cent bekommt. Unsere Aufgabe der Zukunft wird es sein, unseren Mitgliedern Angebote zu machen".

Hier also, ganz am Ende der Bergstraße, sind rund 100 Vereinsvertreter und Ehrenamtliche zusammen gekommen, um mit Grindel und Koch die Zeichen der Zeit, die auch vor dem Amateurfußball nicht Halt machen, zu diskutieren. Gemeinsam. Es gibt viele Punkte, die angesprochen werden. Überbordende Bürokratie zum einen oder der Gesetztes-Dschungel in Sachen Steuerrecht zum anderen. Beim SV Bergheim etwa interessiert das Thema E-Sports, ein anderer sieht einen Ansatz darin, das Traineramt attraktiver zu machen, "wenn es Zuschüsse für die Trainer gibt. Unkompliziert und unbürokratisch". Vieles dreht sich um die Attraktivität des Ehrenamts, um Mitgliedergewinnung und die Finanzierung des Betriebs.

Nach dem Spiel an die Konsole

"Vereine in den jetzigen Strukturen haben auf lange Sicht keine echte Zukunft. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, sonst haben wir bald nur noch offene Jugendarbeit, die ungemein teuer ist. Das müssen unsere Bürgermeister und Landräte wissen. Auf Dauer werden gemeinnützige Vereine das nicht schultern können", sagt Koch, der weiß, "dass die Digitalisierung uns alle vor Herausforderungen stellt. Dieser Tatsache dürfen wir uns nicht verschließen, sondern müssen sie nutzen. Für uns, für den Fußball, für ein attraktives Vereinsleben. Dazu gehört übrigens auch E-Sports. Wir müssen dieses Zusatzangebot annehmen und dürfen das Feld nicht kommerziellen Anbietern überlassen. Wir müssen aufklärend arbeiten, wir als Fußballer können das." Und Grindel ergänzt, "dass wir heutzutage dahin kommen, dass im Vereinsheim nach dem Spiel eben auch an der Konsole gespielt wird. Früher war das Skat, hier in Bayern sicherlich Schafkopf."

Die Unterstützung der im Verein ehrenamtlichen Menschen bewegt die Zuhörer an diesem Abend, das kommt bei Grindel schnell an und das hört er nicht zum ersten Mal: "Es wird immer wichtiger, Vereinsberater zu haben, die als Koordinator für die Vereine fungieren. An sie müssen sich die Vereine wenden können, um sich Unterstützung holen zu können. An diesen Schnittstellen mit hauptamtlichen Kräften werden wir über kurz oder lang nicht herumkommen."

"EM 2024 wird uns eine enorme Blutzufuhr bescheren"

Menschen zu finden, die im Verein mit anpacken, dort Sport treiben, das ist der Grundtenor an diesem Abend beim SSV Margertshausen, wird immer schwieriger. "Mit demografischem Wandel alleine", sagt Rainer Koch, "lässt sich das alleine nicht mehr belegen. Zumindest in einigen Teilen Bayerns nicht. Mit dieser Wahrheit müssen wir uns bis ins letzte Detail auseinandersetzen. Das wird schmerzhaft, sicherlich, aber wir werden es machen. Wir müssen uns öffnen, die Finanzierungsfrage muss die Politik beantworten, aber auch wir müssen attraktiver werden, zeitgemäßer. Mit den Rezepten von gestern werden wir den Fußball von morgen im Rahmen des gesellschaftlichen Wandels nicht gestalten."

Ein Spiel dauert 90 Minuten. Beim SSV Margertshausen ist nach anderthalb Stunden noch nicht Schluss - auf dem Trainingsplatz nebenan sind die Flutlichter zwar erloschen, mit Grindel und Koch geht es aber in die Verlängerung. Es wird offen und miteinander gesprochen, Transparenz und Ehrlichkeit sind die Zutaten, die alle gleichsam auf Augenhöhe auftauchen lassen. "Wir dürfen beim Beklagen des Ist-Zustandes nicht stehen bleiben, sondern müssen die Chancen begreifen", sagt Grindel. " Andere Sportarten wäre froh, in unserer Lage zu sein. Ich bin mir sicher, dass uns beispielsweise die Europameisterschaft 2024 bei uns in Deutschland eine enorme Blutzufuhr bescheren wird."

Nach nach 90 Minuten, Verlängerung und auch noch einem Elfmeterschießen endet der Dialog auf Augenhöhe dann offiziell. Aber die wenigsten gehen gleich nach Hause, viele tauschen sich noch angeregt untereinander aus, andere gehen auf Koch und Grindel zu, setzen die Gespräche unter vier und sechs Augen fort, es gibt auch Selfie-Wünsche. Wohl der beste Beweis dafür, dass es mit der oftmals leichtfertig aufgetischten Mähr von der Diskrepanz zwischen Basis und Spitze weit her ist. Dort oben, am Ende der Bergstraße in dem Kirchdorf im Landkreis Augsburg, wo das Herz des Amateurfußballs schlägt und die Leidenschaft zu spüren ist, hat die Basis einen anderen Eindruck gewonnen.

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