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Schiedsrichter-Talentschmiede Duisburg

Es ist Samstagabend, 18.30 Uhr. Während die ARD gerade in der Sportschau mit ihrer Bundesliga-Berichterstattung beginnt, starten in der Sportschule Duisburg-Wedau 18 Nachwuchs-Schiedsrichter in den Länderpokal. Im Sitzungssaal sind die Tische zu einer großen Runde zusammengerückt. Hans-Jürgen Weber, Mitglied im DFB-Schiedsrichter-Ausschuss, begrüßt die Teilnehmer. Aufmerksam verfolgt Felix Schmitz die Ansprache des ehemaligen FIFA-Schiedsrichters. Der Xantener ist Schiedsrichter in der B-Junioren-Bundesliga und durfte in dieser Saison seine ersten Spiele in der NRW-Liga leiten.

Wie seine 17 Schiedsrichter-Kollegen gehört Felix Schmitz zu den Talenten, die auf der Karriereleiter noch die eine oder andere Stufe hinaufklettern möchten. Und um sich für höhere Aufgaben zu empfehlen, sind die Duisburg-Lehrgänge zwar nicht die einzige Möglichkeit, aber inzwischen ein anerkanntes Sprungbrett. „Jeder Schiedsrichter, der heute im DFB-Bereich aktiv ist, hat in jungen Jahren schon mal an einem solchen Turnier teilgenommen“, unterstreicht Hans-Jürgen Weber den Stellenwert des Lehrgangs. Was die Verantwortlichen von ihren Jungs erwarten, macht Andreas Joswig ihnen klar: „Wir wollen sehen, dass ihr auf dem Platz Gas gebt. Dynamik und Leistungsbereitschaft sind die Schlagwörter – also die gleichen Einstellungen, die auch die Spieler an den Tag legen müssen.“ Dass man als Schiedsrichter der Junioren-Bundesliga Zweikämpfe richtig beurteilen kann, sei eine Selbstverständlichkeit. „Aber bei diesem Turnier wollen wir an den Feinheiten eurer Spielleitungen arbeiten“, gibt Jürgen Weber die Richtung vor.

Über den Onkel zum Sport

Noch am gleichen Abend erhalten die Schiedsrichter ihre Ansetzungen für den ersten Spieltag. Auch Felix Schmitz findet seinen Namen auf der Liste. Für die Partie zwischen Bayern und Westfalen am nächsten Morgen hat man ihn eingeteilt. „Ein gutes Spiel“, glaubt Felix. Dass er gleich zu Beginn des viertägigen Turniers ran darf, hält er für ein gutes Omen. So kann er möglicherweise gleich mit einer guten Leistung auf sich aufmerksam machen.

Auf den Lehrgang extra vorbereitet hat sich der Schiedsrichter vom Niederrhein derweil nicht: „Wir stehen mitten in der Saison, da muss ich sowieso fit sein“, sagt der Junioren-Bundesliga-Mann, der im Alter von 13 Jahren mit der Pfeiferei begonnen hat. „Über meinen Onkel bin ich zu dem Sport gekommen, wurde von meinen Eltern unterstützt. Mein Vater fährt auch heute noch mit auf die Sportplätze und gibt mir gute Tipps.“ Neben seinem Einsatz am Wochenende absolviert Felix drei Trainingseinheiten pro Woche: Laufen, Radfahren und Inlineskaten sind angesagt, damit ihm bei seinen Spielleitungen nicht mangelnde Kondition die Konzentration raubt.

Ein Hobby, das neben der Ausbildung zum Bankkaufmann fast die komplette Freizeit kostet. „Aber es macht einfach Spaß. Und wenn man es nach jeder Saison immer wieder ein kleines bisschen höher schafft, ist man umso mehr motiviert“, erzählt Felix.

Aus den Fehlern des anderen lernen

Er verabredet sich noch schnell mit seinen Assistenten für den nächsten Morgen, dann geht’s ins Bett. Um 23 Uhr hat auch der letzte Schiedsrichter den „Sportler-Treff“ – die Gaststätte in der Sportschule – in Richtung eigenes Zimmer verlassen. „Ein Alkoholverbot oder spezielle Verhaltensregeln gibt es für die jungen Unparteiischen bei dem Turnier nicht, aber das ist auch gar nicht notwendig“, sagt Jürgen Weber. „Jeder, der von seinem Landesverband hierher geschickt wird, will seine Chance nutzen und verhält sich entsprechend professionell.“

Sonntagmorgen, 10.45 Uhr: „Gut geschlafen“ hat Felix, von Anspannung oder gar Nervosität spürt er nichts. Bis zum Anpfiff seines Spiels hat er noch 45 Minuten Zeit. Zudem weiß er in etwa, was ihn erwartet. Im vergangenen Jahr hatte er schon einmal an einem Turnier in Duisburg teilgenommen. „Die Spieler tun sich in der Regel nichts, sondern wollen einfach nur Fußball spielen. Unsere Aufgabe ist es, dies zu fördern.“ Damit stellt der Schiedsrichter auch seine beiden Assistenten auf die kommende Aufgabe ein. Die Minuten vor dem Anstoß gestalten die Unparteiischen routinemäßig: Kontrolle der Tornetze, Aufwärmen, letzte Absprachen im Team – dann kann es endlich losgehen.

Die beiden Mannschaften neutralisieren sich über die gesamte Spielzeit von 2x40 Minuten, so dass es keine Torchancen gibt, dafür aber jede Menge Zweikämpfe. Und die werden verbissen geführt. Kein Sommerkick, sondern eine Aufgabe, bei der sich das Schiedsrichter-Trio beweisen muss. Einige Ermahnungen auf beiden Seiten gibt es, dazu zwei Gelbe Karten wegen Foulspiels. Als Felix vom Platz geht, ist er mit seiner Leistung selbst „im Großen und Ganzen zufrieden“.

Wie Werner Föckler, der das Spiel beobachtet hat, das sieht, erfährt das Schiedsrichter-Team eine Stunde später, und zwar bei einer gemeinsamen Besprechung mit allen Referees. Das ist eine der vielen sinnvollen Maßnahmen in Duisburg: Die Spielanalyse findet nicht unter acht Augen und Ohren in der Kabine statt, sondern mit der ganzen Gruppe. So sollen alle Schiedsrichter aus den Fehlern des anderen lernen. Und dabei wird kein Blatt vor den Mund genommen, Positives wie auch Negatives wird offen angesprochen. „Wir brauchen uns ja hier nichts gegenseitig vorzulügen“, sagt Hans-Jürgen Weber. „Wenn eine Leistung nicht gut war, dann gibt es eben eine schlechtere Note.“

Auf einem Magnet-Spielfeld schiebt Andreas Joswig – wie Weber und Föckler Mitglied der Lehrgangsleitung – Figuren hin und her und erklärt, wo Fehler gemacht wurden. Joswigs Markenzeichen sind seine einfachen und klaren Worte, bei ihm muss man nicht zwischen den Zeilen lesen: „Wenn ein Spieler mit dem Gesicht im Dreck liegen bleibt, müsst ihr ihn nicht erst noch fragen, ob er denn wirklich eine Behandlung braucht.“

"Wenn einer den Kopf hängen lässt, müssen wir ihn motivieren"

Felix Schmitz kann sich währenddessen entspannt zurücklehnen. Als sein Spiel analysiert wird, ist Werner Föckler voll des Lobes: „Es ging gut zur Sache auf dem Platz, aber Du hast Deine Sache prima gemacht“, lautet das Fazit des Beobachters. Einzig die zu scharfe Herangehensweise bei einer Ermahnung wird moniert: „Die hätte man etwas gelassener aussprechen können, zumal dies kein so heftiges Foul war.“ Am Ende bekommt Felix eine 8,4 als Note, also eine absolut gute Leistung. „Wir werden bestimmt noch ein zweites Spiel pfeifen dürfen“, glaubt er. Zu Recht, denn eine bessere Punktzahl bekommt am ersten Spieltag niemand.

Aufbauarbeit müssen Hans-Jürgen Weber und sein Team dagegen bei den Schiedsrichtern leisten, die nicht so gut abgeschnitten haben. „Jeder kommt mit hohen Ansprüchen an sich selbst hierher. Und wenn einer mal den Kopf hängen lässt, müssen wir ihn wieder motivieren.“ Hans-Jürgen Weber erzählt von einem Fall bei dem Mädchenturnier, das eine Woche vorher stattgefunden hatte: „Nach der Analyse standen der Schiedsrichterin die Tränen in den Augen. Sie hatte sehr gut gepfiffen, hätte aber in einer Situation auf Elfmeter entscheiden müssen.“ Weil trotz dieser Fehlentscheidung das Talent der Schiedsrichterin nicht zu übersehen war, wurde sie am nächsten Tag direkt wieder für ein Spitzenspiel angesetzt.

Ein besonderes Spiel wartet auch auf Felix Schmitz: Er wird mit der Leitung der Partie zwischen Hamburg und Hessen betraut. Beide Teams haben am Vortag ihr Spiel gewonnen und kämpfen mit um den Turniersieg. Das Spiel ist weniger intensiv als die Partie vom Vortag, die Entscheidungen stimmen. Beobachter Egbert Engler sieht das auch so. Der ehemalige FIFA-Assistent hilft seit zehn Jahren bei der Schiedsrichter-Sichtung in Duisburg mit.

Neben den Mitgliedern des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses sind in der Regel drei bis vier weitere Beobachter bei den Turnieren in Duisburg im Einsatz. Und die haben in diesen Tagen ganze Arbeit zu leisten: Bis zu vier Spiele am Tag muss jeder von ihnen analysieren. „Da merkt man abends schon, dass man was geschafft hat. Man muss sich schließlich bei jedem Spiel voll Konzentrieren und darf nicht durcheinander bringen, was in welchem Spiel passiert ist“, sagt Egbert Engler, dem seine Arbeit dennoch unheimlich viel Spaß macht: „Hier sind nur Schiedsrichter, die hoch wollen. Und wenn man motivierte Jungs vor sich hat, ist man selbst auch motiviert.“

Ein weiteres Plus der Spiele in Duisburg: Wenn ein Schiedsrichter Tipps bekommt, kann er diese schon gleich am nächsten Tag versuchen umzusetzen. Und so schauen Hans-Jürgen Weber, Werner Föckler und die anderen Beobachter am letzten Turniertag besonders genau hin, wie sich ihre Schiedsrichter auf dem Platz präsentieren. Diejenigen mit den besten Noten leiten am Abschlusstag die entscheidenden Spiele. „Die Ansetzungen haben wir ausschließlich auf Basis der bisher gezeigten Leistungen gemacht“, betont Hans-Jürgen Weber.

Von den beteiligten Mannschaften habe er bei der Abschlussbesprechung am Vorabend ein positives Feedback erhalten. „Die Trainer waren mit den Leistungen der Schiedsrichter sehr zufrieden, das ist schon mal ein gutes Indiz“, gibt Weber das Lob an seine Gruppe weiter. Werner Föckler appelliert an alle, ihren Weg weiter zu gehen: „Durch die Junioren-Bundesliga sind Euch die Türen nach oben geöffnet. Auch wenn es mal Rückschläge geben sollte, lohnt es sich, weiter dran zu bleiben.“

Für Felix Schmitz fällt das persönliche Fazit des Turniers ebenfalls positiv aus: Er konnte bei seinen beiden Spielleitungen überzeugen. Am Finaltag ist er noch einmal als Schiedsrichter-Assistent bei einem Kollegen im Einsatz gewesen – aus Rücksicht auf die noch anstehenden Aufgaben. „Jetzt geht’s direkt weiter. Heute Abend findet bereits ein Lehrgang in unserem Regionalverband statt“, erzählt Felix, als er nach dem Mittag-Imbiss die Sportschule verlässt. Was er während der Tage in Duisburg gelernt hat, kann er sicher schon bald in seinen nächsten Spielen umsetzen: „In bestimmten Situationen werde ich künftig eher nicht auf Vorteil entscheiden. Und wenn ein Spieler auf dem Ball liegt, unterbreche ich das Spiel am besten sofort, bevor plötzlich jemand zutritt.“

Eines nehmen alle Schiedsrichter für ihre weitere Laufbahn aus Duisburg mit: Es sind die Feinheiten in einer Spielleitung, auf die es am Ende ankommt.