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Deutschlands wohl einziger blinder Medienbeauftragter

Der Abpfiff ertönt im Stadion des VfL Frohnlach und auf der Haupttribüne des Fußball-Bayernligisten sitzt der 28-jährige Manuel Beck, um hastig die letzten Worte des von zahlreichen Medienvertretern bereits zeitnah erwarteten Spielberichtes zur soeben beendeten Partie in seinen Laptop zu tippen. Während die Spieler auf dem Rasen ihren wenige Augenblicke zuvor erlangten Erfolg bejubeln oder den gerade verlorenen Punkten noch nachtrauern, warten die ersten Zuschauer doch schon auf den Beginn der obligatorischen Pressekonferenz, die der Medienbeauftragte der gastgebenden Oberfranken ebenfalls moderieren wird.

Als der studierte Sportmanager so also die Coaches der sich in den vorhergehenden 90 Minuten behakenden Kontrahenten fachmännisch befragt, denken höchstwahrscheinlich die wenigsten der an der Bande gegenüber des unmittelbar am Ende des Rasenplatzes aufgestellten Moderationspultes daran, dass der ehrenamtlich engagierte Vereinsvertreter weder seine Gesprächspartner, noch die ihm aufmerksam lauschende Menge sieht. Aufgrund eines angeborenen grauen Stars sowie eines später dazu gekommenen Glaukoms ist Beck nämlich bereits seit gut 15 Jahren komplett erblindet.

Vielseitiges Engagement für seinen Heimatverein

Dieses Handicap hinderte den bekennenden Fan des FC Bayern München jedoch im Sommer 2013 nicht daran, sich zukünftig gänzlich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit seines Heimatteams zu kümmern, das der im positiven Sinne fußballverrückte Beck doch bis dato bereits über viele Spielzeiten zu beinahe jedem Heim- und Auswärtsmatch begleitet hatte. Auch aus diesem Grund stieß die Anfrage der damaligen Vorstandschaft beim selbst in der Blindenfußball-Bundesliga für den VSV/ BFW Würzburg dem rasselnden Leder hinterher jagenden Frohnlacher sofort auf offene Ohren. Die Administration der Facebook-Seite des Clubs oblag Beck zu diesem Zeitpunkt schon seit mehreren Monaten.

Hinzu kamen daraufhin neben der anfallenden Spielberichterstattung im Vorfeld sowie im Nachgang der Partien, die Beck zu Beginn seines Engagements noch für ausgeschlossen gehalten hatte, ehe ihn die Sportredaktion des Coburger Tageblatt vehement zu einem erfolgreichen Versuch animierte, die Moderation der wöchentlichen Pressekonferenzen, die redaktionelle Betreuung der auf eigenem Geläuf ausgetragenen Begegnungen erscheinenden Stadionzeitung und das regelmäßige Verfassen sonstiger Pressemitteilungen. In der Folge erweiterte Beck das Portfolio des mit reichlich Tradition ausgestatteten Dorfvereins um eine moderne Smartphone-App sowie einen eigenen Twitter-Account.

Zeigen, was mit Blindheit alles möglich ist

Unterstützt wird der darüber hinaus als Referent für den Blindenfußball durch die Lande tourende Funktionär dabei aktuell insbesondere durch seine Eltern. Während ihm sein Vater das Geschehen auf dem grünen Rasen detailliert beschreibt, berät ihn seine Mutter beispielsweise bei der Auswahl von geeignetem Bildmaterial. Ähnlich eng zusammenarbeitet Beck daneben mit dem Administrator der Website der Blauweißen sowie dem sportlichen Leiter des Vereins, mit welchem er das VfL-Echo, also das Heimspielmagazin der Frohnlacher herausgibt. Ansonsten nutzt er aber eine sogenannte Screenreader-Software, welche ihm die textlichen Bildschirminhalte seines Laptops, seines Smartphones oder seines Tablets in Sprache umwandelt, so dass er weitestgehend eigenständig agieren kann.

Der stete Austausch mit den Trainern, Kickern und Verantwortlichen des Clubs ist Beck indes genauso wichtig, wie die Rückmeldungen der in immer größerer Zahl auf die Publikationen des im bundesweiten Amateurfußball wohl einzigen Medienbeauftragten ohne Augenlicht zurückgreifenden Journalisten. Während sich der ehrgeizige Funktionär dabei natürlich über lobende Worte freut, wobei die Verleihung des Sonderpreises des Bayerischen Fußball-Verbandes im Rahmen der Ehrenamtsgala 2013 einen ganz besonderen Stellenwert einnimmt, ist der ständig nach Optimierung strebende Beck auch für konstruktive Kritik selbstverständlich jeder Zeit äußerst dankbar. Am Ende bedeutet dem durch und durch fußballbesessenen Bayern diese ehrenamtliche Aufgabe doch extrem viel, möchte er so doch sein im Bachelor-Studium an der Hochschule Heilbronn am Campus Künzelsau erlerntes Theoriewissen nicht nur anwenden, um seinem Herzensteam weiterzuhelfen, sondern auch, um erste Praxiserfahrung zu sammeln sowie zu testen, was trotz Blindheit möglich ist, was im Endeffekt sehr viel ist und für ihn gelebte Inklusion bedeutet!