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Das Gehirn spielt mit!

Der Sportpsychologe des VfL Bochum, René Paasch, erklärt die komplexen und komplizierten Prozesse, die das Gehirn innerhalb kürzester Zeit leistet, um zu einer Entscheidung zu kommen: Spiele ich nach links oder nach rechts ab oder gehe ich ins Dribbling? Gar nicht so einfach, dieser 'einfache Pass'.


Exekutive Funktionen im Fußball

Stell dir sich folgende Situation vor: Ein Spieler hat den Ball. Was soll er damit anstellen? Dribbeln, passen oder schießen? Er steht damit vor der ersten kognitiven Stufe, die er zu bewältigen hat. Denn in derselben Zeit, in der er diese Situation zu meistern versucht, muss er wissen und sich erinnern, was seine Mitspieler und sein Trainer von ihm genau jetzt erwarten. Er benötigt also kognitive Fähigkeiten. Wenn du das kurz sacken lässt, hast du bereits eine Vorstellung davon, wie wichtig die exekutiven Funktionen im Fußball sind.


Informationsaufnahme und -verarbeitung

Was hat es mit Kognition und exekutiven Funktionen auf sich? Über die Wahrnehmung empfängt der Spieler unglaublich viele Signale. Bei dieser Informationsflut entscheiden seine Aufmerksamkeit und seine Erfahrungen darüber, was sein Bewusstsein erreicht. Eine äußerst wichtige Informationsquelle ist zunächst das Sehen. Um das richtige Gefühl für den Ball zu bekommen, muss er zudem auf die von seinen Füßen ausgehenden Empfindungen achten. Sein Körperbewusstsein sagt ihm, wie sicher er steht. Das Geräusch des Balls informiert ihn über dessen Richtung und Geschwindigkeit, der Atem anderer Spieler über ihre Laufgeschwindigkeiten und ihre Abstände zu ihm. Und von ‘draußen’ hört er die Kommandos des Trainers. Darauf folgt die Informationsverarbeitung. Dabei vergleicht er die eintreffenden Signale mit früheren Erfahrungen und Kenntnissen.

Versetze dich in seine Lage: Vor sich siehst du einen anderen Spieler, an dessen Trikotfarbe du sehr schnell erkennst, ob er ein Mit-oder Gegenspieler ist. Du rufst nämlich in deinem Arbeitsgedächtnis seine Farben und die deiner Mannschaft ab. Sie erhältst die Information, dass dein Team in blauen Trikots, der Gegner in roten spielt. Er aber trägt Rot und ist also ein Gegenspieler. Du prüfst außerdem den Zustand des Spielfelds, deine Körperhaltung, die Geschwindigkeit deines Körpers, die Position des Balles etc. All diese Informationen werden ins Arbeitsgedächtnis aufgenommen, um eine Gesamtanalyse zu erstellen. Darauf folgt dann deine Entscheidung zur Handlung.


Das Arbeitsgedächtnis

Das Arbeitsgedächtnis steuert die Regeln der exekutiven Funktionen. In dieser Zentrale laufen alle Informationen zusammen. Die Grenzen dessen, wie viele wir gleichzeitig verarbeiten können, werden von seiner Leistungsfähigkeit und Schnelligkeit gezogen. Zuerst muss der Spieler auswählen, worauf er sich konzentrieren soll. Dazu nutzt er die bisher zu dieser Situation zusammengetragenen Informationen sowie gespeicherte frühere Erfahrungen. Was alles noch schwerer macht: Fußball ist ein dynamischer Sport. Während das Arbeitsgedächtnis nämlich die eingehenden Informationen zur Kenntnis nimmt, muss es gleichzeitig neue hinzufügen und ständig aktualisieren. Reichen seine Schnelligkeit und Kapazität dafür nicht aus, verliert der Spieler die früheren Informationen bzw. die Fähigkeit, eine Analyse durchzuführen.


Die Schlusshandlung

Der erste Plan lautete, zum Mitspieler zu passen. Dann erschien ein gegnerischer Verteidiger, und er musste seine Entscheidung überdenken. Dank seiner Kreativität kam er auf die Idee, den Verteidiger auszuspielen, stellte aber nach einer weiteren Berechnung fest, dass das zu riskant wäre, da dieser den Dribbelweg fast zugestellt hat. Die an das Arbeitsgedächtnis übermittelten Informationen sagten ihm zudem, dass er in vergleichbaren Situationen fast jedes 1 gegen 1 verloren hat. Jetzt sucht er nach Alternativen: Er scannt die Umgebung nach einem anderen als Anspielstation in Frage kommenden Mitspieler. Der, der ihm vor zwei Sekunden zugespielt hatte, bietet sich gerade wieder rechts von ihm an. Gleichzeitig registriert er, dass der Verteidiger auf einen Pass nach links spekuliert. Sein Arbeitsgedächtnis informiert ihn, dass sein rechter Mitspieler im Moment seines Zuspiels nicht gedeckt war und somit möglicherweise auch jetzt noch frei ist. Er prüft dies und entscheidet sich für den Pass dorthin. Dieser kann das Spiel neu fortsetzen – und muss dafür ebenfalls seine exekutiven Funktionen nutzen.

Der Pass ist also gespielt. Der Prozess, der sich zuvor im Gehirn abgespielt hat und die Einflussfaktoren, die dabei auf den Ballbesitzer auswirkten, können auf dem Feld nicht hinterfragt werden. Denn dazu fehlt schlichtweg die Zeit. Doch das Bewusstsein darüber führt zu Verständnis. Und dadurch steigerst auch du dein Leistungsvermögen.


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