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Sverrisson: In Island treibt jedes Kind Sport

Islands erste WM-Teilnahme droht bereits nach der Vorrunde zu enden. Dem achtbaren 1:1 gegen Argentinien zum Auftakt folgte eine 0:2-Niederlage gegen Nigeria. Dies manövrierte die Nordeuropäer in eine Ausgangsposition, in der sie selbst bei einem Sieg gegen Kroatien noch auf das Ergebnis des Parallelspiels angewiesen sind. Aber bereits die Qualifikation für dieses Turnier ist ein großer Erfolg. Island ist das kleinste WM-Land und sorgte schon mit dem Einzug ins Viertelfinale der Europameisterschaft vor zwei Jahren für Aufsehen.

Eyjólfur Sverrisson spielte in der Bundesliga für den VfB Stuttgart und Hertha BSC und ist in seinem Heimatland inzwischen als Trainer für die U 21-Nationalmannschaft verantwortlich. Im Interview mit Fußballtraining sprach der frühere Abwehrspieler über den Stellenwert des Fußballs und über den des Sports im Allgemeinen in Island. Die große Sportbegeisterung, der infrastrukturelle Aufschwung und das Schulsystem haben für Sverrisson die Erfolge der jüngeren Vergangenheit maßgeblich möglich gemacht.

DFB.de: Eyjólfur Sverrisson, was zeichnet diese isländische Mannschaft aus?

Sverrisson: Vor allem der Teamgeist. Außerdem ist es die erste Generation, die in den Fußballhallen aufgewachsen ist und somit auch im Winter trainieren konnte. Dadurch haben wir in der Breite des Kaders mehr Qualität als früher. Athletisch sind wir sowieso schon immer stark gewesen, das ist ein Teil unserer DNA und verankert in der Tradition. Kräftig und robust – wie die alten Wikinger.

DFB.de: Von dieser Wikinger-Mentalität ist in Verbindung mit dem Team ja oft die Rede.

Sverrisson: Damit ist unser Zusammenhalt gemeint. Das ‘Hu’ zum Beispiel, unser Schlachtruf, den mittlerweile die ganze Welt kennt, bedeutet: Wir rudern alle in die gleiche Richtung. Wir wissen, dass wir auf diese Art und Weise erfolgreich sein können. Und wir geben niemals auf. Vielleicht, weil viele von uns vom Wetter geprägt sind. Das wechselt hier stundenweise, es kann alles passieren und man muss immer auf alles vorbereitet sein.

DFB.de: Auch taktkisch wirkt das Team gefestigt, seit Jahren wird im flachen 4-4-2 gespielt. Was spricht für dieses System?

Sverrisson: Meiner Meinung nach, eignet es sich sehr gut für Nationalmannschaften. Es hat in Bezug auf die Raumaufteilung viele Vorteile. Die Wege sind kurz, die Räume defensiv schnell geschlossen. Das System passt zu uns und unseren Einzelspielern. Wir spielen so, weil wir damit erfolgreich sind. Letztendlich liegt das aber immer an den Trainern. In unserer Liga spielen die Teams oft andere Systeme, das 4- 4-2 ist also nicht in unserer Philosophie vorgeschrieben.

DFB.de: Wie spielen Sie mit Ihrer U21?

Sverrisson: Wir spielen das gleiche System wie die A-Mannschaft. Unser Ziel ist es, die Spieler auf diese Positionen vorzubereiten. Die Nationalspieler gehen eigentlich alle den Weg durch die U21 und wissen oben dann, was sie zu tun haben. Wenn wir auf irgendwelchen Positionen Engpässe haben, dann versuchen wir in den U-Mannschaften auch, die Spieler dahingehend zu entwickeln, dass diese Lücken schnell wieder geschlossen werden.

DFB.de: Aus dem 4-4-2 wird auch gerne ein 4-4-1-1. Dann nämlich, wenn Gylfi Sigurdssons Qualitäten nicht auf der Sechs, sondern auf der Zehn gefragt sind. Ist er der Schlüsselspieler?

Sverrisson: Er ist extrem stark, absolut. Er kann auf beiden Positionen spielen, braucht aber mit seiner Torgefährlichkeit die Freiheiten, um nach vorne gehen zu können. Wenn wir defensiver agieren wollen, spielt er oft als hängende Spitze und lässt sich dann bei gegnerischem Ballbesitz fallen. Außerdem ist er unser Freistoßspezialist. Er bringt die Bälle genau auf den Punkt und deswegen haben wir nach Standardssituationen schon viele Tore gemacht.

DFB.de: Um Spieler wie Sigurdsson auch künftig auszubilden, braucht es gute Trainer. Die eine Hälfte des Investments ging in den Bau moderner Fußballhallen, die andere in die Trainerausbildung. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl hat Island so viele Fußballlehrer wie kein anderes Land, darüber hinaus muss bereits jeder Kindertrainer lizensiert sein. Gibt es denn gar keine Personalsorgen?

Sverrisson: Nein, überhaupt nicht. Die Begeisterung ist groß und das motiviert die Trainer, diese Qualifikationen zu machen. Die meisten haben auch selbst Fußball gespielt...

DFB.de: ...wahrscheinlich in ihrer Jugend. Es heißt ja, in Island würde jedes Kind Sport treiben.

Sverrisson: Das ist richtig. Wir sind alle sportverrückt, einfach eine Sportnation. Deshalb wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Kids zum Sport gehen. Vieles hat auch mit unserem Schulsystem zu tun.

DFB.de: Inwiefern?

Sverrisson: Sport wird sehr gefördert und die Schulen arbeiten eng mit den Vereinen zusammen. Ein Beispiel: Mein 7-jähriger Sohn hat dreimal wöchentlich Schulsport. Dazu geht er jede Woche noch dreimal zum Fußballtraining. Und manchmal, wenn er Lust hat, schaut er noch bei einer anderen Sportart vorbei und macht da mit. Kinder haben einen großen Bewegungsdrang.

DFB.de: Zweitsportarten sind in Island üblich, Sie selbst haben sehr erfolgreich Basketball gespielt und hätten vermutlich auch da eine Laufbahn einschlagen können. Ist es falsch, sich zu früh auf eine Sportart festzulegen?

Sverrisson: Die Kinder sollen die Möglichkeit haben, viele Sportarten auszuprobieren. Dann können sie irgendwann selbst entscheiden, was ihnen am besten gefällt. Wissenschaftlich ist es ja auch bewiesen, dass es gut für die Motorik ist, viele verschiedene Bewegungsabläufe kennenzulernen. Natürlich weiß man nie, wann der richtige Zeitpunkt ist, sich zu spezialisieren. Ich weiß nicht, ob ich vielleicht als Fußballer noch andere Möglichkeiten gehabt hätte. Aber zu meiner Zeit gab es auch die ganzen Fußballhallen noch nicht und im Winter damit nicht die Chancen, so effektiv zu trainieren.

DFB.de: Dementsprechend sind auch viele Sportarten sehr populär. Hat der Fußball inzwischen die Spitzenposition eingenommen?

Sverrisson: Das kann man so sagen. Fußball war schon immer sehr beliebt, aber in den letzten Jahren hat das durch die vielen Erfolge noch einmal zugenommen. Die Kinder wollen so sein wie ihre großen Idole...

DFB.de: ...die aber nach wie vor früh ins Ausland wechseln. Die Nationalmannschaft besteht außschließlich aus Legionären.

Sverrisson: Früher war es für die sportliche Entwicklung wichtig, fruüh ins Ausland zu gehen. Heute haben wir auch bei uns gute Möglichkeiten. Mittlerweile glaube ich, dass es nicht immer die beste Lösung ist. Jeder muss das selber entscheiden, ob er für diesen Schritt mental in der Lage ist, oder lieber noch etwas länger in der Heimat bleibt.

DFB.de: Wie wird sich der isländische Fußball in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Sverrisson: Ich hoffe natürlich, dass es so weitergeht. Aber so etwas lässt sich nur schwer voraussagen. Wir sind uns bewusst, dass wir immer wieder Generationen haben werden, die nicht so stark sind. Die aktuelle Mannschaft passt in jeder Hinsicht einfach perfekt zusammen, vielleicht ist sie sogar einmalig. Ich bin mir aber sicher, dass wir immer ganz gute Mannschaften haben werden und wir uns im taktischen und technischen Bereich noch weiter steigern können. Wir arbeiten hart und haben unser Potential noch nicht ausgeschöpft.

 

In der WM-Reihe der DFB-Trainerzeitschriften Fußballtraining und Fußballtraining Junior werden weitere Teilnehmer des Turniers in Russland vorgestellt. Verschiedene Interviews und vorgestellte Trainingsformen geben einen Einblick in den Fußball des jeweiligen Landes. Weitere Informationen zu Fußballtraining und Fußballtraining Junior sind unter 'Themenverwandte Links' zusammengestellt.