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Thomas Kastrup über die Herausforderungen der Pandemie

Thomas Kastrup hat seine Trainerkarriere beim Osnabrücker SC bei den E-Juniorinnen begonnen und sich bis in die "Erste" hochgearbeitet. Das Damenteam führte er bis in die Regionalliga. Das Abenteuer in der neuen Spielklasse wurde leider durch die Corona-Pandemie unterbrochen. Im Interview erläutert er, wie er die Corona-Pause mit seiner Mannschaft überbrückt hat, welche Auswirkungen diese hatte und welche Herausforderungen die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs mit sich brachte.


DFB.de: Wie habt ihr den Lockdown überbrückt?

Thomas Kastrup: Wir haben den Kontakt überwiegend über unsere WhatsApp-Gruppe gehalten. Diese nutzen wir unabhängig von Corona, um uns auszutauschen. Das geht sehr schnell, einfach und unkompliziert. Das war mir aber während des Lockdowns noch wichtiger, damit die Spielerinnen das Gefühl haben, dass wir füreinander da sind, auch wenn wir uns nicht sehen können. Darüber hinaus haben wir einmal pro Woche ein Home-Workout durchgeführt. Unser Athletiktrainer hat dann mit den Mädels trainiert. Darüber hinaus haben die Spielerinnen ein Laufprogramm in Selbstverantwortung durchgeführt. So war zumindest gewährleistet, dass ein gewisser Fitnessstand gehalten werden konnte. Außerdem haben wir vereinzelt Challenges eingebaut, sodass ein Wettkampfcharakter entstand, der mit viel Spaß verbunden war. Dennoch war das für alle nicht zufriedenstellend. Ohne das Training auf dem Platz hat ein enorm wichtiger Aspekt gefehlt, und das haben wir alle gespürt.

DFB.de: Haben Spielerinnen während/nach der Corona-Pause ihre Fußballschuhe an den Nagel gehängt?

Kastrup: Zum Glück sind alle Spielerinnen an Bord geblieben. Soweit ich weiß, gab es auch nie irgendwelche Gedanken, mit dem Fußballspielen aufzuhören. Ich bin sehr froh, dass die lange Pause keine negativen Auswirkungen hatte.

DFB.de: Wann habt ihr den Trainingsbetrieb wieder aufgenommen?

Kastrup: Das war etwa Mitte bis Ende April. Die Freude war riesengroß, auch wenn wir zunächst in den ersten Wochen nur mit Abstandsregeln trainieren durften. Die sozialen Kontakte und das Gefühl von Alltag haben uns allen sichtlich gutgetan. Wir haben uns inhaltlich auf technische Aspekte konzentriert, später dann vermehrt konditionelle hinzugenommen. Das Hauptaugenmerk lag aber zu 100 Prozent darin, Spaß zu haben und wieder zusammen auf dem Platz zu stehen.

DFB.de: In welchem konditionellen Zustand waren deine Spielerinnen?

Kastrup: Im Mannschaftsverbund war es tatsächlich in Ordnung und besser, als ich es erwartet hatte. Da hatte ich Schlimmeres befürchtet. Einige waren sehr fleißig und waren fit. Aber wir hatten auch unsere drei bis vier Spielerinnen, die weniger gemacht haben.

DFB.de: Wie bist du mit den unterschiedlichen Fitnesszuständen umgegangen?

Kastrup: Das hat sich in den ersten Wochen wieder angeglichen. Da kamen uns das Abstandstraining entgegen und der Faktor Zeit. Wir hatten keinerlei Druck, dass bald Wettkämpfe anstehen und wussten um die lange Vorbereitung. Jeder konnte dort seine individuelle Intensität fahren und sich sukzessive steigern, wie es nötig war. Ich habe es auch niemandem übel genommen, sondern wusste um die schwierige Situation, mit der eben jeder anders umgeht.

DFB.de: Welche coronabedingten Besonderheiten gab es zu berücksichtigen?

Kastrup: Das obligatorische Testen vor den Einheiten war organisatorisch sehr aufwendig und die größte Herausforderung, die wir zu stemmen hatten. Denn die Spielerinnen mussten den Test in unserem Beisein durchführen. Der sowieso schon hohe Zeitaufwand wurde dadurch um ein Vielfaches erhöht. Insbesondere für mich als Selbstständigem war das früher Feierband machen müssen ein nicht unwesentliches Problem. Das führte letztlich alles dazu, dass die Trainingsplanung darunter litt und wir nicht pünktlich mit dem Training beginnen konnten. Dann gab es eine Zeit, in der wir uns sogar an offiziellen Testzentren testen lassen mussten und der Selbsttest nicht mehr ausreichte. Das war zum Glück nur ein kurzer Zeitraum. Und neben dem zeitlich-organisatorischen Aufwand kam dann auch der finanzielle noch hinzu.

DFB.de: Wie hat sich der Kader verändert, und wie habt ihr Neuzugänge integriert?

Kastrup: Wie in jedem Jahr habe ich bereits im Dezember erste Gespräche mit den Spielerinnen geführt. Da war klar, dass uns etwa 80 Prozent des Kaders erhalten bleiben. Das war eine Erleichterung, weil kein großer Handlungsbedarf bestand. Wir sind generell nicht besonders aktiv im Scouting. Häufig ist es so, dass die Spielerinnen auf uns zukommen. Wir hatten ein paar studien- und berufsbedingte Abgänge. Diese haben wir zum Teil mit eigenen Spielerinnen aus unserer U 19 kompensiert. Zusätzlich dazu haben wir zwei externe Neuzugänge dazubekommen. In Summe konnten wir das Niveau des Kaders halten. Die Integration der Neuen verlief problemlos, weil die externen Neuzugänge zu einem Zeitpunkt zu uns gestoßen waren als das Trainieren bereits wieder möglich war. Außerdem haben wir ein Team mit tollen Charakteren, sodass der Faktor Integration bisher immer ohne Schwierigkeiten verlief. Ich glaube sowieso, dass das ein besonderes Merkmal des Mädchen- und Frauenfußballs ist. Der Konkurrenzkampf ist viel weniger ausgeprägt, und man gönnt sich untereinander vieles.

DFB.de: Welche Schwerpunkte hast du im regulären Trainingsbetrieb gesetzt?

Kastrup: Wir haben Spielformen durchgeführt und so den taktischen Bezug schnell hergestellt und begonnen, an unserer Spielidee zu feilen. Da wollte ich nicht viel Zeit verlieren, sondern sofort dahin kommen, in den Köpfen der Spielerinnen wieder das hervorzurufen, was wir uns vorstellen. Das war der Zeitpunkt, wo es auch als Trainer so richtig Spaß gemacht hat, mit der Mannschaft zu arbeiten.

DFB.de: Welchen Einfluss hat die längere Vorbereitungszeit als gewöhnlich?

Kastrup: Ich habe es bisher zumindest nicht als Nachteil empfunden. Im Gegenteil, wir haben sehr viel Zeit, einen guten Fitnesszustand zu erreichen und unsere Spielidee zu verfeinern – durch viel Training und viele Testspiele. Außerdem können wir durch die längere Vorbereitungszeit urlaubsbedingte Ausfälle besser kompensieren. Klar ist aber auch, dass die Spielerinnen sich irgendwann nach dem Wettkampf sehnen, denn letztlich dient alles dem Zweck, für die Meisterschaft vorbereitet zu sein. Die Spannung über diesen Zeitraum hochzuhalten ist womöglich das Schwierigste.

DFB.de: Wie schnell kann das Leistungsniveau vor Corona wieder erreicht werden?

Kastrup: Das hat sich relativ schnell auf das Ausgangsniveau eingependelt. Zu Beginn bedurfte es der Gewöhnung, aber dann waren die Spielerinnen flott wieder auf dem vorherigen Leistungsstand. Im Wettkampf um Punkte wird sich zeigen, inwiefern sich dieser Eindruck bestätigt.

DFB.de: Welche Saisonziele verfolgst du?

Kastrup: Wir wollen den Klassenerhalt schnell unter Dach und Fach bringen. Mit dem Abstieg wollen wir nichts zu tun haben. Unsere Staffel besteht aus 14 Teams. Am Ende wollen wir eine Top-6-Platzierung erreichen. Das halte ich mit unserem Kader auch für eine durchaus realistische Zielsetzung.

Das Gespräch führte Thomas Stillitano (Philippka).